Wenn wir uns ein bisschen länger mit unseren Kunden über die Herausforderungen unterhalten, welche das Tankstellengeschäft für sie bereit hält, landen wir früher oder später fast immer beim gleichen Thema – die Personalfindung. Fast immer wird darüber geklagt, dass es kaum noch möglich ist dauerhaft gutes Personal zu finden. Das ist kein Wunder – niedrige Arbeitslöhne, Wochenend- Feiertags- und Nachtschichten, schwierige Kunden und ein hoher Zeitdruck sind keine Seltenheit.

Notgedrungen werden deswegen viele Aushilfen und Minijobber eingestellt oder es wird schlicht und ergreifend in Unterbesetzung gearbeitet. Nicht selten wird so eine Übergangslösung zum Dauerzustand. Oft hat man ungewollt einen hohen Durchlauf an Personal und bleibt auf dem Mehraufwand sitzen. Man muss ständig neue Mitarbeiter einlernen, verwalten, ins Team integrieren und das nötige Vertrauen aufbauen. Das kostet Zeit und Nerven.

Die meisten Tankstellenunternehmer wünschen sich Mitarbeiter, denen man verantwortungsvolle Aufgaben übertragen kann und die dauerhaft an der Station bleiben. Wie soll man allerdings solche Mitarbeiter finden? Wir haben hier 6 Tipps zusammengefasst, wie Sie qualifizierte Mitarbeiter für Ihre Station finden und vor allem auch binden.

1. Die Stellenausschreibung – wichtiger als gedacht

Der erste Schritt bei der Beschaffung von gutem Personal ist die Stellenausschreibung. Leider hapert es hier schon bei den meisten. Was oft vergessen wird ist nämlich, dass die Stellenausschreibung zunächst einmal Ihre Bewerbung an Ihren zukünftigen Mitarbeiter ist. Sie stellen sich hier als Arbeitgeber vor. Sie zeigen hier was Sie erwarten, aber auch was Sie bieten. Gute Bewerber nehmen sich die Zeit ihre Bewerbung interessant und aussagekräftig zu gestalten. Genau das Gleiche sollten Sie auch tun. Achten Sie auf die Darstellung. Gerne können Sie auch Bilder von Ihrem Team oder Ihrer Station verwenden. Nennen Sie nicht einfach nur stupide die Anforderungen an die Stelle, sondern erwähnen Sie auch was Sie zu bieten haben. Vermitteln Sie schon in der Stellenbeschreibung, dass Sie Wert auf gutes Personal legen und dies auch zu schätzen wissen.

Und vor allem: Verwenden Sie nicht die 0815-Phrasen sondern werden Sie kreativ und zeigen Sie, dass Sie sich Gedanken gemacht haben!

Nicht zuletzt ist natürlich auch das “Wo“ entscheidend. Wer in einer eher ländlichen Gegend nach Personal sucht ist vielleicht mit der klassischen Zeitungsannonce im örtlichen Wochenblatt gut bedient. Oft sind allerdings Annoncen beim Amt für Arbeit und in Online-Jobbörsen (indeed.com und eBay-Kleinanzeigen seinen hier als kostenfreie Anbieter genannt) effizienter, weil sie eine breitere Masse erreichen. Auch Social Media kann zielführend sein. Wer mit Facebook und co. ein wenig Erfahrung hat, kann mit wenigen Klicks Anzeigen schalten, die speziell potentielle Mitarbeiter erreichen.

Weitere Tipps und eine Anleitung, wie man die perfekte Stellenanzeige schreibt finden Sie hier.

2. Das Bewerbungsgespräch – eine Möglichkeit sich kennenzulernen

Auch beim Bewerbungsgespräch gilt es verschiedene Punkte zu beachten. Wie bei der Stellenanzeige geht es hier nicht nur darum, dass der Bewerber sich bei Ihnen vorstellt, sondern auch darum, dass Sie Ihr Unternehmen und sich selbst als zukünftiger Vorgesetzter vorstellen. Fragen Sie nicht nur nach den Kompetenzen des Bewerbers, sondern auch nach seinen Erwartungen an die Stelle und das Unternehmen. Erzählen Sie von Ihrem Team, wie Sie aufgestellt sind und welche Rolle der Bewerber dort zukünftig einnehmen soll. So entwickeln Sie schnell ein Gefühl dafür, was den Bewerber antreibt und ob er in Ihr Team passt.

Apropos Team: Nehmen Sie ruhig einen Mitarbeiter, z.B. Ihren Stationsleiter oder den Mitarbeiter, welcher später am engsten mit dem Bewerber zusammenarbeiten wird, mit ins Gespräch. Dies hat gleich mehrere Vorteile: Sie bekommen eine zweite Meinung und können besser einschätzen, ob der Bewerber gut ins Team passt und Sie signalisieren damit dem Bewerber, sowie Ihren Stammpersonal, dass Sie die Meinung Ihrer Mitarbeiter wertschätzen.

3. Die Entlohnung – Gute Arbeit muss entsprechend belohnt werden

Hier kommen wir auch schon zum heikelsten Punkt – die Vergütung. So gerne der ein oder andere Tankstellenbetreiber seine Mitarbeiter gerne besser bezahlen würde, das Budget scheint höhere Löhne schlicht und ergreifend oft nicht herzugeben. Doch lohnt es sich hier noch einmal nachzurechnen. Rechnen Sie einmal gegen, viele Kosten damit verbunden sind ständig neues Personal zu suchen, es einzulernen und wie teuer Sie Fehler zu stehen kommen, die in dieser Phase natürlicherweise passieren. Das sind versteckte Kosten, die Sie auch in Ihre Kalkulation mit einbeziehen sollten (vor allem bei der Jahresbudgetplanung). Außerdem ist der Wert eines gut eingespielten Teams und eines reibungslosen Ablaufs nicht zu unterschätzen. Es erspart Ihnen viel Stress und lässt Ihnen mehr Zeit für die wichtigen Dinge.

Das bedeutet nicht, dass Sie sich in Unkosten stürzen, aber kalkulieren Sie auch die verstecken Kosten und den Kosten/Nutzen mit ein. Außerdem ist es sinnvoll Anreize durch Prämien zu schaffen. Setzten Sie beispielsweise das „Aktive Verkaufen“ ein, dann belohnen Sie Ihre Mitarbeiter doch für das Erreichen von Zielen und gute Verkaufsquoten. Schließlich erwirtschaften diese auch einen Mehrwert für Sie.

Es muss aber nicht immer gleich mehr Lohn sein. Neben der Bezahlung können Sie auch andere Anreize für Ihre Mitarbeiter schaffen. Wussten Sie z.B. das Sie Ihren Mitarbeitern steuerfrei Sachzuwendungen (Gutscheine, Jobticket etc.) im Wert von 44€ monatlich zukommen lassen können? Oder wie sieht es eigentlich mit einem Mitarbeiterrabatt aus? Hier können Sie sparen und Ihren Mitarbeitern trotzdem etwas bieten.

Doch es geht sogar noch günstiger. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Joggingtreff, regelmäßigen Wanderausflügen oder einem Kinotreff? Das mag zunächst mehr nach großen Unternehmen und weniger nach Tankstelle klingen und ist zugegebenermaßen oft auch erst ab einer gewissen Anzahl von Mitarbeitern sinnvoll, aber solche Angebote machen Sie als Arbeitgeber attraktiver. Laden Sie Ihre Mitarbeiter zu regelmäßigen Events (z.B. gemeinsames Keksebacken mit Kindern und Partnern zur Weihnachtszeit) außerhalb der Arbeitszeiten ein. Das steigert nicht nur den Zusammenhalt Ihres Teams, sondern Sie zeigen so auch potentiellen Bewerbern, dass Ihnen Ihre Mitarbeiter am Herzen liegen.

4. Der Arbeitsalltag – Kommunikation ist alles

Es klingt erst einmal banal, aber reden Sie mit Ihren Mitarbeitern! Stellen Sie sich für regelmäßige Mitarbeitergespräche (1x im Monat oder zumindest 1x im Quartal) zur Verfügung. Wichtig ist dabei, dass Sie Ihren Mitarbeitern nichts aufzwingen und Ihre Tür trotzdem offen steht. Dadurch können Sie frühzeitig auf Probleme reagieren und das Arbeitsklima verbessern. Besonders vor und nach der Einführung neuer Abläufe oder Maßnahmen sind solche Feedback-Gespräche wichtig. Hören Sie dabei Ihren Mitarbeitern genau zu und gehen Sie verantwortungsvoll mit deren Wünschen und Kritik um.

Vor allem Mitarbeiter die schon lange in einem bestimmten Bereich arbeiten und Verbesserungsvorschläge anbringen tun dies nicht ohne Grund. Meistens möchten sie damit dem Unternehmen und sich selbst viel Mühe ersparen. Nehmen Sie solche Vorschläge erst und überprüfen Sie diese, denn Ihre Mitarbeiter kennen sich hier oft besser aus – es ist schließlich ihr Verantwortungsbereich. Sollten Sie die Vorschläge nicht umsetzten können oder wollen, dann erklären Sie Ihren Mitarbeitern auch wieso. Ein „Nein“ ohne Begründung, kann dafür sorgen, dass sich Ihr Mitarbeiter nicht wertgeschätzt fühlt und ihn demotivieren.

Auch bei Entscheidungen, die Arbeitsabläufe und Neuanschaffungen betreffen, kann es sinnvoll sein Ihre Mitarbeiter miteinzubeziehen. Das soll nicht heißen, dass Sie Ihren Mitarbeitern bei allem ein Stimmrecht einräumen, allerdings sind frühzeitige Information und Kommunikation wichtig. So bekommen Ihre Mitarbeiter nicht das Gefühl, dass alles über ihre Köpfe hinweg entschieden wird.

5. Richtig motivieren – keine gute Tat bleibt ungesühnt

Auch das mag banal klingen, wird aber leider in der Praxis viel zu selten getan: loben Sie Ihre Mitarbeiter! Dabei ist das richtige Maß das A&O. Wenn Sie jeden Mitarbeiter täglich für jede Kleinigkeit loben, verliert Ihr Lob schnell an Bedeutung und wird zur Floskel. Wenn Ihr Mitarbeiter allerdings eine Aufgabe einmal besonders gut gemacht, sich besonders angestrengt oder einem anderen Mitarbeiter helfend zur Seite gestanden hat, dann sollten Sie Ihm das auch sagen. Die richtige Wertschätzung Ihrer Mitarbeiter kann wahre Wunder bei der Motivation bewirken.

Anders herum kann auch die richtige Herangehensweise bei einer schlechten Leistung, zur Verbesserung genutzt werden. Weisen Sie Ihre Mitarbeiter klar auf deren Fehler hin und erläutern Sie ihnen Ihre Erwartungen, aber achten Sie dabei darauf, dass Ihre Mitarbeiter auch nachvollziehen können was genau falsch gelaufen ist und wie sie dies in Zukunft vermeiden können. Versuchen Sie Ihre Kritik generell immer konstruktiv zu äußern und achten Sie auf Ihren Ton. Bleiben Sie sachlich und suchen Sie das Gespräch unter vier Augen. Erwähnen Sie dabei ruhig auch anerkennend gute Leistungen Ihrer Mitarbeiter. Dadurch sind sie motiviert, die Fehler auszuräumen und wieder an diese anzuknüpfen.

6. Ziele setzten – Entwicklung fördern

Gerade bei neuen Mitarbeitern ist es wichtig, sich gemeinsam Ziele zu setzten. Wann sollte die Einarbeitung für welchen Bereich abgeschlossen sein? Was sind die Lernziele und welche Kompetenzen sollte der Mitarbeiter danach besitzen?

Doch auch langjährigen Mitarbeitern sollten Sie die Gelegenheit bieten sich beruflich weiterzuentwickeln. Schulungen und Weiterbildungsseminare eignen sich hier natürlich am besten. Allerdings können Sie auch intern die Entwicklung Ihrer Mitarbeiter fördern und gemeinsame Ziele setzten, indem Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit geben verschiedene Kompetenzbereiche kennenzulernen und nach einer gewissen Zeit auch andere Mitarbeiter zu schulen.

So sorgen Sie einerseits dafür, dass Ihre Mitarbeiter mehr Abwechslung in Ihrem Beruf haben und motiviert bleiben und andererseits, dass Sie kompetente Mitarbeiter haben, auf die Sie sich in allen Bereichen verlassen können.

Fazit:

Wer gute Mitarbeiter sucht und diese auch halten möchte, steht nicht selten vor einer großen Herausforderung. Mit diesen Tricks sollte es Ihnen aber hoffentlich ein wenig leichter fallen. Haben Sie noch andere Tipps oder Anregungen für uns und unsere Community? Dann schreiben Sie uns doch gerne in den Kommentaren.

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